Ungewohnte Gesichter in der Landesliga

Fotos: © Michael Rusche

Bayerisches Tempo irritiert zunächst in Westfalen

Iserlohn/Bayreuth. Westfalen und Bayern haben in ihrer Geschichte zwar viele Berührungspunkte, aber wenige Gemeinsamkeiten. Auch bei den heimischen Schiedsrichtern war dies bis vor wenigen Jahren nicht anders. Bis Alexander Pott zum Studium in die Wagnerstadt Bayreuth wechselte. Seit dem gibt es Beziehungen zwischen den heimischen Unparteiischen und ihren bayerischen Kollegen. Mitte September erfuhren diese Kontakte einen neuen Höhepunkt. Stefan Linß (19, TSV 07 Bayreuth – St. Johannis) leitete das Landesligaspiel SV Hilbeck vs. SC Obersprockhövel. Ihm assistierten Alexander Pott (23, FC Eintracht Bayreuth) und Aren Tekazaryan (27, SR-Vereinigung Iserlohn).

Linß und Pott waren zu Gast in der Heimat des Gruppenlehrwarts. Dabei entstand die Idee ein Spiel in Westfalen zu leiten. Nach kurzer Nachfrage von Alexander Pott beim zuständigen Verbandsschiedsrichterobmann Michael Liedtke, wurde umgehend ein Spiel ausgesucht. „Für die tolle Unterstützung von Michael Liedtke möchten wir uns herzlich bedanken.“ sagt Alexander Pott. Auch der Vorsitzende des Kreisschiedsrichterausschusses, Lars Lehmann, war von der Idee des Austausches angetan und sagte sofort seine Unterstützung zu. „Für alle Beteiligten war dieser Austausch eine besondere Erfahrung.“ unterstreicht Lars Lehmann.

Wie lief es im Spiel? Welche Unterschiede zum bayerischen Fußball gab es zu beobachten? Zu Beginn überraschte das bayerische Gespann beim Einlaufen. SR Linß gab, wie üblich, das Tempo vor. Im Gegensatz zu Bayern wird in NRW aber immer eingegangen.

Nach ca. 5 Minuten wollte die Heimmannschaft – nach leichtem Kontakt – einen Foulelfmeter. Schiedsrichter Linß entschied trotz Protesten auf Weiterspielen. Nach einiger Zeit war auch dem Trainer bewusst, warum er den vermeintlichen Strafstoß nicht pfiff. In Bayern gibt es offenkundig eine härtere Spielweise mit weniger Unterbrechungen von Seiten der Unparteiischen, denn Stefan Linß zog diese bayerische Linie bis zum Schluss durch. Noch zwei Unterschiede: die Passkontrolle, Freistoßmauer. In Westfalen muss vor jedem Spiel weiterhin eine Gesichtskontrolle erfolgen. Außerdem entscheidet dort der Schiedsrichter, wann der Ball beim Freistoß gesperrt und die Mauer gestellt wird. In Bayern hingegen erfolgt die Mauerstellung meist auf Wunsch des Schützen.

Am Ende war es eine faire Partie, die mit einem leistungsgerechten 1:1-Unentschieden endete. Das Schiedsrichtergespann wurde von beiden Mannschaften und den Vereinsverantwortlichen mit einem netten „Servus“ verabschiedet. Übrigens: Der Anfahrtsweg wurde natürlich aus dem Kreis Iserlohn berechnet. „Der Austausch führte zu keinen Mehrkosten für die Vereine“, betont Stefan Linß.. „Es ist schön, dass sich Alexander weiterhin mit seiner alten SR-Vereinigung identifiziert. Daher sind auch weitere Spiele denkbar“, so Lars Lehmann. Vielleicht wird sich ja auch mal ein Iserlohner Schiedsrichter nach Bayreuth verirren und dort ein Spiel leiten.